In der letzten Woche war ich, zusammen mit vielen großartigen Menschen, bei der Konferenz “Transgender und Intersex in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft”, die organisiert von der TU Dresden, der Böll-Stiftung, dem British Counsil und der Dreilinden GmbH im Deutschen Hygiene Museum in Dresden stattfand.
Die Konferenz war interdisziplinär und international angelegt. Die Vortragenden kamen aus diversen Fachrichtungen und sprachen auf Deutsch oder Englisch. Einige Schwerpunkte des umfangreichen Programms lagen auf Sensibilisierung für Schwierigkeiten auf Seiten von Betroffenen und deren strukturelle, gesellschaftliche Ursachen, medizinischen Aspekten und Sichtweisen auf Trans* und Intersex und die Kritik daran, Darstellungen und Diskurstradtionen über Intersex und Trans* in Literatur, Fotographie und Film.
Highlights waren für mich die kurzweiligen Beiträge der Künstler_innen und Aktivist_innen Ins A Kromminga und Del LaGrace Volcano, der Vortrag von Heinz-Jürgen Voss über die Komplexität biologischer Prozesse, die eher auf eine Vielfältige, als auf eine binäre Zweigeschlechtlichkeit der Natur verweisen.
Bemerkenswert fand ich, dass Menschen die sich professionell und beruflich mit den Phänomenen auseinandersetzen und Betroffene gleichermaßen anwesend waren, und sich oft auch beide Positionen überschnitten haben. (Also, dass referierende Wissenschaftler*innen sich als trans* und/oder intersex identifiziert haben.) Dies hat die Konferenz und vor allem die Diskussionen sehr bereichert und mitunter auch zu etwas schärferen Tönen in den Auseinandersetzungen geführt.
Negativ aufgefallen ist mir – mal wieder – der Aspekt des Vokabulars. Obwohl gleich zu Anfang der Konferenz von diversen Sprecher*innen und Personen aus dem Plenum darauf hingewiesen wurde, dass Trans- und Intersexualität irreführende Benennungens sind, die auch von einem Großteil der Betroffenen abgelehnt werden und dieser Umstand meiner Meinung nach zumindest in Räumen, in denen wissenschaftlich zu diesen Themen gearbeitet wird, wohlbekannt sein sollte, hat die Mehrzahl der Referierenden unbeirrt genau diese Begriffe verwendet.
Unter dem Strich habe ich den Eindruck, dass ich zwar auf die -vielleicht sehr spezifischen - Fragen, die mich im Bezug zu Intersex und Trans* derzeit so umtreiben wenig Antworten bekommen, aber viel Interessantes und Neues gelernt habe. Vor allem in Bezug auf Intersex habe ich bestimmt einen großen Brocken Sensibilität dazu bekommen und habe mir fest vorgenommen, darauf zukünftig in eigenen Benennungspraktiken mehr Wert zu legen.
Dieser Artikel ist ursprünglich im Blog Copper, Boom! erschienen.